tanz und theater

konstellationen

Als Partner für „Konstellationen“ haben sich Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und tanzhaus nrw in Düsseldorf, Museum Folkwang und PACT Zollverein in Essen sowie Museum Ludwig und das Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln zusammengeschlossen. Sie stehen exemplarisch für Nordrhein-Westfalen als Ort der Experimente: für die starke Kunst- und Kulturlandschaft mit einer risikofreudigen innovativen und herausragenden Kunst- und Tanzszene. Der wechselseitigen Beziehung des Bauhauses und der Kunstszene im Westen wird im Programm von „100 jahre bauhaus im westen“ nachgegangen.

Black Mountain College Buckminster Fuller Class, Lake Eden Ca, © Courtesy of Western Regional Archives, States Archives of Nort Carolina, Foto: Masato Nakagawa

Starke Traditionslinien wie Folkwang oder der Hagener Impuls haben Nordrhein-Westfalen als Produktionsort der Künste geprägt. Sie sind untrennbar mit der gesellschaftlichen Rolle der Kunst verbunden. „Ohne die Mitwirkung der Kunst sind die wichtigsten Fragen des Lebens unlösbar“, so Folkwang-Begründer Karl-Ernst Osthaus. Choreografische Ausdrucksformen, Tanz und Kinetik im weiteren Sinne spielen in den Künsten des beginnenden 20. Jahrhundert eine wesentliche Rolle. Die Neugierde bildender Künstler*innen, Musiker*innen, Literat*innen und Architekt*innen richtet sich auf den Tanz und die Rolle des Körpers. Internationaler Austausch findet ebenso statt wie die Verknüpfung aller Künste mit Wissenschaft und Technik. Die interdisziplinären Bühnenexperimente von Oskar Schlemmer, László Moholy-Nagy, Edward Gordon Craig oder den Künstler*innen der tänzerischen Experimente – etwa im Ausdruckstanz - beschäftigen sich mit der korrespondierenden Beziehung zwischen Körper und Raum.
Nach der radikalen Zerstörung der Avantgarde durch die Faschisten kehren erst in den 1960er Jahren neue experimentelle Ausdrucksformen und Konzepte zurück an die Repräsentationsorte der Kunst. Fluxus, Happening, das Tanztheater oder der amerikanische postmodern dance greifen das Erbe des Bauhauses auf.  Denn Interdisziplinarität und Internationalität finden kaum Raum in den klassischen Strukturen der Kunstproduktion. In Amerika ist für kurze Zeit das Black Mountain College ein Ort, der radikal die Kooperation in den Künsten und den Wissenschaften riskiert. Ein Ort, an dem sich viele Künstler*innen aus dem Bauhaus nach ihrer Emigration aus Deutschland sammeln, der wenig länger als das Bauhaus existiert und fast ebenso folgenreich für die Kunst des 20. Jahrhunderts ist. 100 Jahre später werden Tanz und Performance in Zeiten der Digitalisierung und der zunehmenden Immaterialität von Gestaltungsprozessen wieder zu Katalysatoren gesellschaftlicher Fragestellungen.

Unter dem Titel „Konstellationen“ greifen sechs wichtige zeitgenössische, künstlerische Protagonisten in NRW, drei Museen gemeinsam mit drei Tanzinstitutionen, im Kontext von „100 jahre bauhaus im westen“ den Bauhaus-Gedanken auf. Internationale Partnerschaften, Performances,  Installationen, Lectures und Künstler*innengespräche kreisen um das Thema „Körper“ und befragen die Zukunft der Transdisziplinarität. Hierbei steht vor allem der künstlerische Prozess im Vordergrund. Dieser stellt Konstellationen her, welche die Gedanken der Bauhaus-Bewegung in eine unbekannte Zukunft fortdenken.
Die Zukunft zu erinnern, könnte versuchen, dem Erbe gerecht zu werden.

 

21.09.2019 - 19.01.2020

Im Fokus der Zusammenarbeit des Museum Ludwig und des Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln stehen „Museum“ und „Tanzausbildung“ als durchlässige soziale Räume. Den Ausgangspunkt dafür bildet nicht nur die Ausstellung „HIER UND JETZT im Museum Ludwig. Transcorporealities“, sondern ebenso die zentrale Bauhaus-Haltung, Kunst als Triebkraft und Impulsgeberin für gesamtgesellschaftliche Veränderungsprozesse zu verstehen, die Grenzen von Disziplinen und Arbeitsfeldern überschreiten. Die Präsenz von Körpern im Raum und ihre Auswirkungen auf andere Körper gehören dabei zu den zentralen Themen: Wo bilden sie Schutzräume, wo öffnen sie sich und werden zu Schnittstellen zwischen mehreren Subjekten, Entitäten, Umgebungen oder Technologien und zu transversalen Medien, die zwischen Kunst und Leben vermitteln? Was ist physisches Erleben, was wird dem Körper ein- und zugeschrieben? Fragen nach Wahrnehmungs- und Repräsentationspolitiken choreografierter Körper sowie nach den Entgrenzungen und Erweiterungen des Körperlichen sind in Hinblick auf den Begriff der Transkorporalität ebenso interessant wie die Kreuzungen zwischen Bühnentanz, Performance, Installation und Objekt.

 

Im Geiste des Black Mountain Colleges mit seinem Ansatz, Theorie, Praxis und Vermittlung zusammen zu bringen, wurden all diese Fragen in geteilten Erfahrungsräumen aus unterschiedlichen Perspektiven verhandelt. Gemeinsam entwickelte Performances, Vermittlungsformate und Forschungsprojekte zeugen von diesen transdisziplinären und -institutionellen Konstellationen.

Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig

Leonie Radine, Kuratorin der Ausstellung im Museum Ludwig

Vera Sander, Leitung des Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz

Constanze Schellow, Konzeption des Transposiums im Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

 

 

KÜNSTLER*INNEN_ JESSE DARLING, FLAKA HALITI, TRAJAL HARRELL, PAUL MAHEKE, NICK MAUSS, PARK MCARTHUR, OSCAR MURILLO, SONDRA PERRY

HIER UND JETZT IM MUSEUM LUDWIG

TRANSCORPOREALITIES

21.09.2019 – 19.01.2020

MUSEUM LUDWIG

FOYER: Eintritt frei

SAMMLUNG: regulärer Museumseintritt

Die Ausstellung Transcorporealities reflektiert das Museum als durchlässigen Körper, in dem verschiedene biologische, soziale, technologische, politische und wirtschaftliche Systeme ineinanderfließen. Wie alle menschlichen und nichtmenschlichen Realitäten befindet es sich in stetigen Stoffwechselprozessen mit seiner Umwelt. Vor diesem Horizont wird der Transitraum des Eingangsfoyers zum Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Hier wie auch in der Sammlung stellen die Künstler*innen Fragen nach Verkörperung, Sichtbarkeit und Zugänglichkeit: Was wird dem Körper ein- und zugeschrieben? Wer schaut auf wen?

Das Ausstellungsprojekt wird ferner grozügig gefördert durch die Peter und Irene Ludwig Stiftung. Außerdem wird die Ausstellung substantiell unterstützt von der Fördergruppe HIER UND JETZT aus dem Kreis der Mitglieder der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig e.V. sowie der Stiftung Storch. Das Museum Ludwig dankt darüber hinaus der RheinEnergieStiftung Kultur für ihre Unterstützung.

 

 

NICK MAUSS

TRAKTAT ÜBER DEN SCHLEIER

23. / 24. / 26. / 2 7.11.2019, 14:00 – 18:00 UHR

PERFORMANCE/INSTALLATION

MUSEUM LUDWIG (SAMMLUNG)

Keine Anmeldung erforderlich. Begrenzte Platzkapazität

Nick Mauss spürt Resonanzen zwischen verschiedenen Sammlungswerken auf, indem zum Beispiel Jasper Johns „15 Minuten Pause“ (1961) auf verweilende Darsteller in einem Gemälde von Erich Heckel (1928) triff t. In Mauss‘ Konfiguration mit dem Titel „Traktat über den Schleier“ treten diese Arbeiten in Dialog mit einem projizierten Fotoarchiv von Carl Van Vechten und einer neuen Choreografie, die in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule für Musik und Tanz Köln entwickelt wurde.

 

 

PAUL MAHEKE UND MELIKA NGOMBE KOLONGO (AKA NKISI)

SÈNSA (AUSZÜGE)

29.11.2019, 19:30 UHR

PERFORMANCE

MUSEUM LUDWIG (FOYER)

Keine Anmeldung erforderlich

Paul Maheke begreift den Körper als Archiv und Tanz als fluide Behauptung von Subjektivität. Sein Werk kreist um Fragen, wie sich Geschichte, Erinnerung und Identität herausbilden und sich

westliche Repräsentationsstrukturen aufbrechen lassen. Zusammen mit der Musikproduzentin Nkisi entstand mit „Sènsa“ ein synästhetisches Echo von Schöpfungsgeschichten, inspiriert

von der bantu-kongolesischen Kosmologie.

 

 

TRAJAL HARRELL

DANCER OF THE YEAR SHOP #2

PERFORMANCE/INSTALLATION

30.11. UND 01.12.2019, 11:00 – 14:00 UHR

MUSEUM LUDWIG (SAMMLUNG)

Keine Anmeldung erforderlich. Begrenzte Platzkapazität

 

 

TRAJAL HARRELL

DANCER OF THE YEAR

PERFORMANCE

30.11. UND 01.12.2019, 16:30 UHR

MUSEUM LUDWIG (SAMMLUNG)

Keine Anmeldung erforderlich. Begrenzte Platzkapazität

2018 wurde Trajal Harrell vom tanz-Magazin als „Tänzer des Jahres“ ausgezeichnet. In Reaktion auf den Titel befragt er im Tanzsolo „Dancer of the Year“ und der performativen Installation „Dancer of the Year Shop #2“ seinen (Selbst-)Wert. Indem Harrell Erinnerungsstücke aus Familienbesitz und seinem Freundeskreis sowie Relikte seiner Karriere zum Verkauf anbietet, verhandelt er Fragen nach der Verkörperung von Emotionen sowie nach Formen der Kommodifizierung von Subjektivität, Beziehungen und Performativität.

 

 

TRANSPOSIUM

23.11.2019, 10:00 – 20:30 UHR

ZENTRUM FÜR ZEITGENÖSSISCHEN TANZ AN DER

HOCHSCHULE FÜR MUSIK UND TANZ KÖLN (ZZT) UND IM MUSEUM LUDWIG

Eintritt frei, Anmeldung unter: transposium@hfmt-koeln.de

In Reaktion auf die Ausstellung entfaltet das Zentrum für Zeitgenössischen Tanz mit einem „Transposium“ seine Perspektiven auf das Thema Transkorporalität. Dazu werden Performances, künstlerische Forschungsformate und wissenschaftliche Recherchen aus den Bereichen, Tanz, Performance und Soziologie in Dialog gebracht. Der Tag endet mit einer körperbasierten Führung im Museum und einem Gespräch zwischen Nick Mauss und Studierenden des ZZT über die gemeinsam entwickelte Performance.

 

 

GOSIE VERVLOESSEM

THE HORROR GARDEN

PERFORMANCE: 10:00 - 11:00 UHR

ZENTRUM FÜR ZEITGENÖSSISCHEN TANZ

Begrenzte Platzkapazität

„The Horror Garden“ ist eine investigative Performance über die Beziehung zwischen Menschen und Pflanzen. Vielleicht basiert die Idee unserer möglichen Koexistenz auf falschen Annahmen? Vervloessem besucht drei Orte, an denen das Mensch-Pflanze- Miteinander eine horrorartige Klimax erreicht: den botanischen Garten, das Naturreservat und die Plantage. Kann unser Verhältnis über das einer gegenseitigen Ausbeutung hinausgehen? Wer missbraucht wen?

 

 

LARS FRERS UND STUDIERENDE DES ZZT

PERFORMING SPATIAL RESEARCH

LECTURE EXHIBITION: 11:15 – 12:00 UHR

ZENTRUM FÜR ZEITGENÖSSISCHEN TANZ

 

 

ANTONIA BAEHR MY DOG IS MY PIANO

SONIC LECTURE PERFORMANCE: 12:15 – 13:15 UHR

ZENTRUM FÜR ZEITGENÖSSISCHEN TANZ

Begrenzte Platzkapazität

Tocki und Bettina von Arnim leben zusammen im selben Haus. Sie sprechen nicht dieselbe Sprache, gleichen sich kaum und doch haben sie zusammengefunden. Baehr skizziert ein subjektives, akustisches Porträt der Verbundenheit ihrer Mutter mit ihrem Hund: Kann das Haus, das sie sich teilen, wie die musikalische Partitur der Geschichte eines Zusammenlebens von Hund und Mensch gelesen werden? Welche Art Sprache ergibt sich aus diesem Duett der alltäglichen Vorgänge, dieser Choreografie der Verbundenheit?

 

Das Gastspiel der Sonic Lecture Performance „My Dog is My Piano” von Antonia Baehr wird unterstützt durch das NATIONALE PERFORMANCE NETZ Gastspielförderung Tanz, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, sowie den Kultur- und Kunstministerien der Länder.

 

 

GOSIE VERVLOESSEM, LARS FRERS, ANTONIA BAEHR IM GESPRÄCH MIT EINEM IMPULS VON MAYTE ZIMMERMANN

TRANSKORPOR(E)ALITÄTEN _

ZUR IM_MATERIALITÄT VON „TRANS…“

TALK: 13:30 – 14:30 UHR

ZENTRUM FÜR ZEITGENÖSSISCHEN TANZ

 

 

ELSA ARTMANN, SAMUEL DUVOISIN, MIRIAM LEYSNER

PERFORMATIVE FÜHRUNG DURCH DIE AUSSTELLUNG

16:00 – 16:30 UHR

MUSEUM LUDWIG (FOYER)

 

 

NICK MAUSS IM GESPRÄCH MIT DEN TÄNZER*INNEN BRIGITTE MARIELOS HUEZO, PAULINA JÜRGES, CAMILLA SCHIELIN, JOSEFINE LUKA SIMONSEN, CHRISTOPH SPEIT UND SEBASTIAN VARRA ZU DER ARBEIT „TRAKTAT ÜBER DEN SCHLEIER“

18:30 UHR

MUSEUM LUDWIG (FOYER)

22.11.2019 - 01.12.2019

Im Rahmen von „Konstellationen. 100 jahre bauhaus im westen“ laden das Museum Folkwang und PACT Zollverein William Forsythe ein, sein facettenreiches Schaffen in all seinen Ausprägungen zu präsentieren. Für das Museum Folkwang hat Forsythe eine Folge von vier installativen und choreografischen Interventionen in die Konzeption, Architektur und Vermittlung der Institution Museum entwickelt: Nach „City of Abstracts“, „Human Writes Drawings“ und „Aviariation“ schließt „Acquisition / Körperschaft“ die Serie ab. Mit einer ortspezifisch für PACT Zollverein neu entwickelten choreografischen Instruktion „Himmel und Hölle“ (2019) sowie der Videoarbeit „Alignigung“ (2016) schlägt der Künstler eine reale wie konzeptuelle Brücke zur Werkpräsentation im Museum Folkwang. Mit der Uraufführung einer neuen Bühnenarbeit von Brigel Gjoka und Rauf‘RubberLegz‘Yasit, die in Zusammenarbeit mit Forsythe entstand, erweitert PACT das Programm außerdem um eine junge, performative Perspektive. So steht die Zusammenarbeit in Essen ganz im Geiste des künstlerischen Experiments, der visuellen und raumbezogenen Bewegungsforschung und der Befragung des Figurativen. William Forsythe, geboren 1949, studierte Tanz in den USA, bevor ihn das Stuttgarter Ballett als Tänzer engagierte. Von 1984 bis 2004 wirkte er als Ballettdirektor des Frankfurter Balletts. 2005 gründete er die Forsythe Company, die er bis 2015 leitete. Seine choreografischen Arbeiten wurden weltweit aufgeführt, so auch mehrfach bei PACT Zollverein. Forsythes Auseinandersetzung mit Raum, Bewegung und Körper setzt sich auch jenseits der Bühnenwerke fort und hat zur Entwicklung von choreografischen Objekten und Instruktionen geführt, mit denen er Ausstellungsbesucher*innen zur Teilhabe und Aktion einlädt und ihre Bewegungen im Museumsraum choreografiert. Seine künstlerischen Arbeiten wurden bereits in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsentiert, u. a. auf der Biennale in Venedig, im MoMA, New York, im Centre Pompidou, Paris, in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und im MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main.

Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang

Stefan Hilterhaus, Künstlerischer Leiter und Geschäftsführer von PACT Zollverein

 

 

WILLIAM FORSYTHE

ACQUISITION / KÖRPERSCHAFT

22.11. – 01.12.2019

MUSEUM FOLKWANG

Eintritt frei

Seit vielen Jahren entwickelt der renommierte Choreograf und Künstler William Forsythe „Instructions“ als choreografische Handlungsanweisungen. In seiner neuen, für das Museum Folkwang konzipierten Arbeit beschäftigt sich Forsythe mit dem Verhältnis von ideellen und kommerziellen Werten im Kunsthandel und der Institution Museum. Das klassische Verständnis des Museums basiert auf der Idee des Sammelns, Bewahrens und Präsentierens. Forsythe kehrt dieses Verhältnis um und konzipiert das Museum als Ort der Produktion und des Erwerbs. Er nimmt dabei Bezug auf die von Karl Ernst Osthaus geprägte Folkwang-Idee und in der Folge vom Bauhaus propagierte Durchdringung von Kunst und Leben.

Zwei „Galerist*innen“ empfangen das Publikum im Gartensaal des Museum Folkwang. Was sie zum Erwerb anbieten, sind kurze choreografische Handlungen und Instruktionen von William Forsythe. Die Performer*innen erläutern den Besucher*innen, was sie tun müssen, um die Choreografien zu meistern. Dabei geht es nicht nur um den körperlichen Akt, den sie vorführen und mit den Interessierten trainieren, sondern gleichermaßen um die verbale Vermittlung choreografischer Ideen und Handlungsweisen. Erst durch das Begreifen und vollkommene Beherrschen der angebotenen Bewegungsabläufe geht die choreografische Handlung in den lebenslangen Besitz der Besucher*innen über. Darüber hinaus können während des Aktionszeitraums an verschiedenen Orten im Museum textliche sowie audiovisuelle Instruktionen und Installationen von William Forsythe erprobt und erfahren werden. Forsythe lässt mit „Acquisition / Körperschaft“ ein breites Publikum an seinem choreografischen Kosmos nicht nur als Rezipient und Betrachter teilnehmen, sondern macht es zum Teilhaber, Komplizen und Botschafter seiner Arbeit.

 

 

WILLIAM FORSYTHE / RAUF‘RUBBERLEGZ’YASIT & BRIGEL GJOKA

HIMMEL UND HÖLLE

DOOMED

ALIGNIGUNG

FILM- UND INSTALLATIONSPROGRAMM

29.11. – 01.12.2019, 18:00 - 20:00 UHR

PACT ZOLLVEREIN

Eintritt frei

Anlässlich der Aufführung der neuen choreografischen Auftragsarbeit von Rauf‘RubberLegz’Yasit und Brigel Gjoka hat William Forsythe ein Film- und Installationsprogramm konzipiert, das die Visionen seiner Co-Creators Yasit und Gjoka fokussiert und erweitert. Forsythes tiefgreifendes Interesse an der Transformation und Reflektion organisatorischer Prinzipien bildet die Grundlage für ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: seine Installationen und Filme, die Forsythe als „Choreographic Objects“ bezeichnet. In Zusammenarbeit mit Rauf‘RubberLegz’Yasit und Riley Watts zeigt er bei PACT die Videoarbeit „Alignigung“ (2016) sowie „Doomed“ (2018) von Rauf‘RubberLegz’Yasit.

Mit „Himmel und Hölle“ (2019) wird außerdem ein neues Choreografisches Objekt vorgestellt.

 

 

APÉRO & KÜNSTLERGESPRÄCH MIT

WILLIAM FORSYTHE

29.11.2019, 18:00 UHR

PACT ZOLLVEREIN

Eintritt frei

Als ortspezifische Arbeit, die erstmals bei PACT zu sehen ist, zeigt William Forsythe unter dem Titel „Himmel und Hölle“ (2019) ein neues „Choreografisches Objekt“. Zur Eröffnung des Installations-

und Filmprogramms gibt Forsythe in einem Künstlergespräch Einblick in seine Arbeit. Im Anschluss an das Gespräch zeigen Rauf‘RubberLegz’Yasit – Protagonist der Arbeit „Alignigung“ – und der ehemalige Forsythe-Tänzer Brigel Gjoka die Urauff ührung ihrer neuen Produktion „Neighbour“.

 

 

BRIGEL GJOKA & RAUF‘RUBBERLEGZ‘YASIT

„NEIGHBOUR“

URAUFFÜHRUNG

29.11. UND 30.11.2019, 20:00 UHR

PACT ZOLLVEREIN

Eintritt: 7 – 15 Euro

Mit ihrer neuen Produktion „Neighbour“ bringen Rauf‘RubberLegz‘Yasit und Brigel Gjoka zwei Welten zusammen: Wie kann an der Schnittstelle von urbanem und zeitgenössischem Tanz neues Bewegungsmaterial entstehen? Rauf‘RubberLegz‘Yasit ist autodidaktischer „abstract b-boy“ und Choreograf. Getreu seinem Künstlernamen „RubberLegz“ ist er international bekannt dafür, seinen Körper in geradezu undenkbare, fluide Formen zu verwandeln. Der ausgebildete Balletttänzer und Choreograf Brigel Gjoka tourte international und war zwischen 2011 und 2015 Mitglied der Forsythe Company. Seit 2014 ist er künstlerischer Leiter der Art Factory International in Bologna.

In einem experimentellen Duett entstehen Momente der Transformation, des Dialogs und der Kontemplation: Wie können radikal neue Konzepte gedacht werden, die dennoch tänzerischer und kultureller Individualität Raum geben? Inspiration für ihre neue Arbeit fanden die beiden Tänzer in der künstlerischen Auseinandersetzung mit William Forsythes „A Quiet Evening of Dance“ (Oktober 2018).

29.10.2019 - 10.11.2019

Im Rahmen ihrer Kooperation laden die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und das tanzhaus nrw in Düsseldorf dazu ein, wegweisende frühe Choreografien aus dem Repertoire der Großmeisterin Anne Teresa De Keersmaeker zu erleben. Die international renommierte, belgische Choreografin und Tänzerin gehört zu den wichtigsten Vertreter*innen der internationalen Tanzszene und trägt seit Jahren mit ihren vielfach ausgezeichneten Arbeiten entscheidend zur Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes bei.

Während die Choreografin in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ihr Schlüsselwerk „Fase, Four Movements to the Music of Steve Reich“ für die monumentale Grabbe Halle des K20 als ortspezifische Tanzinstallation neukonzipiert, zieht die Arbeit für einen Abend als Bühnenfassung in das tanzhaus nrw. Damit wird nicht nur eine Verbindung zwischen den beiden Institutionen und den jeweils spezifischen Präsentationsformen der Choreografie und den damit verbundenen unterschiedlichen Zeit- und Raumerfahrungen geschaffen, sondern auch die Frage nach der Beziehung von Tanz und Installation, von Körper, Bewegung und deren Verhältnis zur Musik verhandelt. Über ein Künstlerinnengespräch und einen öffentlichen Workshop in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sowie ein Professional Training und die Aufführung von drei weiteren frühen Bühnenarbeiten von Anne Teresa De Keersmaeker im tanzhaus nrw können sich die Besucher*innen mit dem faszinierenden Werk dieser beeindruckenden Künstlerin auseinandersetzen.

Susanne Gaensheimer, Direktorin Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Isabelle Malz, Kuratorin der Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Bettina Masuch, Intendantin tanzhaus nrw

 

 

ANNE TERESA DE KEERSMAEKER / ROSAS

FASE, FOUR MOVEMENTS TO THE MUSIC OF STEVE REICH

URAUFFÜHRUNG DER NEUFASSUNG

29.10 – 10.11.2019, AB 12 UHR STÜNDLICH

K20 KUNSTSAMMLUNG

NORDRHEIN-WESTFALEN / GRABBE HALLE

Eintritt frei

Für die Grabbe Halle des K20 hat Anne Teresa De Keersmaeker eine adaptierte Fassung ihrer inzwischen ikonisch gewordenen Choreografie „Fase, Four Movements to the Music of Steve Reich“ entwickelt. Mit dieser 1982 konzipierten Arbeit etablierte De Keersmaeker früh ihre eigene choreografische Sprache, deren Grundelemente ihre weltweit gefeierten Stücke bis heute charakterisieren. In diesen erforscht De Keersmaeker die vielschichtig verwobenen Beziehungen zwischen Tanz und Musik und, daraus ableitend, die fruchtbare Auseinandersetzung des Körpers mit minimalistischen, repetitiven Strukturen und Variationen in Raum und Zeit. „Fase“ basiert auf vier Kompositionen des legendären New Yorker Komponisten und Mitbegründer der Minimal Music Steve Reich (*1936) – „Piano Phase“ (1967), „Come Out“ (1966), „Violin Phase“ (1967) und „Clapping Music“ (1972) – und greift das Prinzip der Phasenverschiebung durch minimale Variationen auf. Dem streng durchstrukturierten Arrangement der vier unterschiedlich langen Sätze aus drei Duetten und einem Solo liegen geometrische Kreis- und Linienstrukturen zugrunde, an denen sich die beiden Tänzerinnen mit ihren schnellen, minimalistisch reduzierten und sich wiederholenden Bewegungen orientieren. Aus dem faszinierenden Zusammenspiel von zugleich perfekt synchronisierten Bewegungsabläufen und sich beständig verändernden Formen und Mustern entsteht ein dynamisches Spannungsverhältnis der beiden Körper, die teilweise gegenläufig und versetzt zueinander agieren.

Für ihre zweiwöchige Präsentation in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zerlegt De Keersmaeker nun ihre ursprünglich als zusammenhängende Bühnenfassung konzipierte Komposition räumlich wie zeitlich in ihre vier Bestandteile. Die einzelnen Sätze der Choreografie werden während der Öffnungszeiten des Museums, jeweils stündlich ab 12 Uhr beginnend, nacheinander auf vier grauen, 9 x 9 Meter großen Plattformen von vier Tänzerinnen der 1983 in Brüssel von der Choreografin gegründeten Kompanie Rosas getanzt.

Mit „Fase“ verbindet Anne Teresa De Keersmaeker eine besondere Beziehung. 36 Jahre lang hatte sie das Stück selbst getanzt, bevor sie es letztes Jahr einer jüngeren Generation von Tänzerinnen übergab. In dieser neuen, für den spezifischen Ausstellungsraum konzipierten Form feiert „Fase“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen nun gewissermaßen erneut Premiere.

 

CHOREOGRAFIE Anne Teresa De Keersmaeker 

PERFORMANCE (WECHSELND) Yuika Hashimoto, Laura Maria Poletti / Laura Bachman, Soa Ratsifandrihana

KREIERT VON Michèle Anne De Mey, Anne Teresa De Keersmaeker 

MUSIK Steve Reich: „Piano Phase” (1967), „Come Out” (1966), „Violin Phase” (1967), „Clapping Music” (1972) 

KOSTÜM (1981) Martine André, Anne Teresa De Keersmaeker

TECHNISCHE LEITUNG Joris De Bolle 

PRODUKTION (1982) Schaamte vzw (Brüssel), Avila vzw (Brüssel) 

KOPRODUKTION De Munt / La Monnaie (Brüssel), Sadler's Wells (London), Les Théâtres de la Ville de Luxembourg

 

 

ERÖFFNUNG

ANNE TERESA DE KEERSMAEKER

(CHOREOGRAFIN UND TÄNZERIN, BRÜSSEL)

IM GESPRÄCH MIT ELENA FILIPOVIC

(DIREKTORIN DER KUNSTHALLE BASEL)

29.10.2019, 18:00 UHR

K20 KUNSTSAMMLUNG NORDRHEIN-WESTFALEN

Eintritt frei, in englischer Sprache

 

Anne Teresa De Keersmaeker wird anlässlich der Eröffnung der Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit Elena Filipovic über ihre choreografische Arbeit und ihr neues Forschungsprojekt sprechen.

 

 

ÖFFENTLICHER WORKSHOP
RE_ROSAS!

16.11.2019, 11:15 – 13:15 UHR

K20 KUNSTSAMMLUNG NORDRHEIN-WESTFALEN /

GRABBE HALLE

Eintritt frei; Anmeldung erforderlich unter: service@kunstsammlung.de

Das Publikum wird, angeleitet durch eine Tänzerin der Kompanie Rosas, eine Interpretation des legendären Stücks „Rosas danst Rosas“ (1983) von Anne Teresa De Keersmaeker einstudieren, das inzwischen weltweit in hundertfachen Variationen durch das Netz zirkuliert.

 

 

ANNE TERESA DE KEERSMAEKER /ROSAS

FASE, FOUR MOVEMENTS TO THE MUSIC OF STEVE REICH

09.11.2019, 20:00 UHR

TANZHAUS NRW

Eintritt: 27 / 22 Euro (Reihe A / B) inkl. VRR

In direktem Anschluss an die choreografische Anordnung der vier „Movements“ in der Grabbe Halle der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, zieht das Stück in seiner ursprünglichen Ordnung und mit neuer Besetzung auf die Bühne des tanzhaus nrw. In konzentrierter Atmosphäre werden Duette und Solo, die zur Minimal Music von Steve Reich entstanden, erneut präsentiert. Sowohl die Musik als auch die Tanzbewegung nehmen ihren Ausgang im Prinzip der Phasenverschiebung: Bewegungen, die in perfekter Synchronität abzulaufen scheinen, entwickeln sich durch minimale Variationen zu einem genialen Spiel der sich ständig verändernden Formen und Muster.

 

 

ANNE TERESA DE KEERSMAEKER / ROSAS

BARTÓK / BEETHOVEN / SCHÖNBERG

15. UND 16.11.2019, 20:00 UHR

17.11.2019, 15:00 UHR

TANZHAUS NRW

Eintritt: 27 / 22 Euro (Reihe A / B) inkl. VRR

Der Abend sammelt drei frühe Arbeiten von Anne Teresa De Keersmaeker. Jede der Choreografien bietet in ihrer Bewegung und Aufladung eine Antwort auf eine historische Musik-Komposition und zeigt zugleich, wie virtuos die flämische Choreografin zwischen abstrahierendem Konzept und anschaulicher Erzählung navigiert.

Im Jahr 1986 begibt sie sich mit Béla Bartóks „Streichquartett No. 4“ erstmals in das Feld der modernen Musik. Aus Bartóks komplexen Rhythmen und geschichteten Harmonien destilliert sie eine Choreografie, die Bartóks Komposition ebenso kämpferisch wie verspielt erobert. In der Auseinandersetzung mit der „Großen Fuge“ von Ludwig van Beethoven arbeitet sie seinen erfindungsreichen Umgang mit Kontrapunkten heraus und kreiert 1992 eine Choreografie, die ein männliches Bewegungsvokabular sucht und dabei die Schwerkraft auf die Probe stellt. Mit Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ stürzt sich Anne Teresa De Keersmaeker 1995 und 2014 in einer neuen Version ganz unverblümt in eine Romanze, in der männliche und weibliche Rollen in ihrer emotionalen Aufladung auseinandergenommen und kontrastreich in Duetten und Trios inszeniert werden.

„Konstellationen" ist ein Kooperationsprojekt von Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und tanzhaus nrw Düsseldorf, Museum Folkwang und PACT Zollverein Essen, Museum Ludwig und Zentrum für Zeitgenössischen Tanz an der Hochschule für Musik und Tanz Köln im Rahmen von „100 jahre bauhaus im westen", Land Nordrhein-Westfalen und Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL), gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Schirmherrin ist Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

21.09.2019 – 19.01.2020

köln

Museum Ludwig

Heinrich-Böll-Platz

50667 Köln
www.museum-ludwig.de

 

Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT)
Hochschule für Musik und Tanz Köln
Turmstrasse 3-5
50733 Köln

www.zzt.hfmt-koeln.de

22.11.2019 – 1.12.2019

essen

Museum Folkwang

Museumsplatz 1

45128 Essen

www.museum-folkwang.de

 

PACT Zollverein
Bullmannaue 20A
45327 Essen
www.pact-zollverein.de

29.10.2019 – 10.11.2019

düsseldorf

Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

K20 Grabbeplatz

Grabbeplatz 5
40213 Düsseldorf

www.kunstsammlung.de

 

tanzhaus nrw

Erkrather Str. 30

40233 Düsseldorf

www.tanzhaus-nrw.de